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Zu sehen ist eine Zusammenstellung verschiedener Bilder der Künstler
Bildnachweis: Museum im Prediger

Ein Jahrhundert Kunst: Warum die Baumhauers euch auch heute noch überraschen

Zu sehen ist Leonie Maier

Geschrieben von:
Leonie Maier

Wer einmal in das künstlerische Universum der Familie Baumhauer eintaucht, spürt sofort: Hier ist über Jahrzehnte hinweg etwas Besonderes gewachsen. Von Großvater Alois, der mit eindrucksvollen Impressionen aus dem Ersten Weltkrieg die ersten Spuren legte, über die markante Bildhauerei von Sepp bis hin zum malerischen Werk der zeitgenössischen Künstlerinnen Monika und Regina – dieses Familienerbe umspannt ein ganzes Jahrhundert kreativer Energie. Und doch verbindet sie weit mehr als nur der gemeinsame Nachname: Immer wieder tauchen Themen wie Landschaft, Tier oder Körper auf, manchmal als liebevolle Traditionslinie, manchmal als bewusste Abgrenzung.

Mit der aktuellen Ausstellung eröffnet das Museum im Prediger sein Programm zum 150-jährigen Bestehen und macht direkt klar, dass es dieses Jubiläum mit euch feiern möchte. Denn hier geht es nicht nur ums Anschauen, sondern ums Erleben, Fragen, Verstehen, Weiterdenken.

Damit ihr euch voll hineinbegeben könnt, gibt’s ein vielseitiges Programm:

Führungen
Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat, jeweils um 15 Uhr
mit Sabine Leicht oder Marlene Grimminger, Kulturvermittlerinnen

Künstlerinnengespräch mit Regina Baumhauer
Donnerstag, 19. März 2026, 19 Uhr
mit der Kunsthistorikerin Linnea Streit und der Beauftragten für Chancengleichheit Elke Heer

Familienführung
Sonntag, 22. März 2026, 15 Uhr
mit Christa Sänger und Dr. Monika Boosen

Führung mit Künstlerin Monika Baumhauer
Sonntag, 11. Januar & 28. Juni 2026, 15 Uhr

Dialogführung mit Regina Baumhauer & Dr. Monika Boosen
Sonntag, 10. Mai 2026, 15 Uhr

Und weil die Kunst der Baumhauers nicht nur ein Museumsthema ist:
In den Sommermonaten erwarten euch zusätzlich Stadtführungen zu ausgewählten Werken im Stadtraum. Die aktuellen Termine findet ihr wie immer auf der Website des Museums.

Kurz gesagt: Egal ob ihr Kunstfans seid, neugierig auf lokale Geschichte oder einfach Lust habt, etwas Neues zu entdecken – diese Ausstellung nimmt euch mit auf eine Reise durch Zeit, Stil und Persönlichkeiten. Kommt vorbei und lasst euch inspirieren. 

Biografien

1984    
verstorben in Schwäbisch Gmünd

1923
Heirat mit Maria Kessler

1922      
Rückkehr nach Schwäbisch Gmünd und Tätigkeit als selbstständiger Designer und Grafiker

1920 – 1922
Besuch der Kunstgewerbeschule München

1919
Heimkehr und Arbeit als selbstständiger Grafiker in Schwäbisch Gmünd

1916 & 1918 
Zweifache Verwundung

1915
Eingezogen zum Militär im Ersten Weltkrieg; Ostern 1915 an die Front bei Verdun, Frankreich

1910 – 1914
Tätigkeit für die Firma August Richter in Hamburg und Besuch der Kunstgewerbeschule Hamburg 

1909
Zeichner und Modelleur bei Carl Rudolph Silberwarenfabrik, Schwäbisch Gmünd

1906
Lehre in der Silberwarenfabrik Gebr. Kühn und Besuch der Fachschule für das Edelmetallgewerbe, Schwäbisch Gmünd

1890
geboren in Schwäbisch Gmünd

Zu sehen ist ein Foto des Künstlers
Bildnachweis: Sepp Baumhauer

2011
verstorben in Schwäbisch Gmünd

1994
Schutzmantelmadonna, Seniorenzentrum St. Anna, Schwäbisch Gmünd

1990
Ausstellung Zum 60. Geburtstag von Sepp Baumhauer, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

1984
Brunnerfigur Musik im Stadtgarten, Schwäbisch Gmünd

1976
Ausstellung Stahlplastiken, Predigerpassage, Schwäbisch Gmünd

Seit 1955
Arbeit als freier Bildhauer und Maler; Studienreisen nach Frankreich, Italien, Griechenland, Amerika

1953
Wandrelief im Innenhof des Heiliggeistspitals, Schwäbisch Gmünd

1950 – 1954
Studium an der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei den Professoren W. Baumeister, M. Henninger, H. Fegers

1930
geboren in Schwäbisch Gmünd

Zu sehen ist die Künstlerin
Bildnachweis: Monika Baumhauer

2021
Wandgemälde für den Raum der Stille, Kloster-Hospiz der Franziskanerinnen, Schwäbisch Gmünd

2019
Ausstellung Landschaft, Figur, Stillleben zu ihrem 60. Geburtstag, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

2013
Gestaltung der Kapelle des Kreiskrankenhauses Mutlangen

Seit 2010

Mitglied der Kunstkommission Rottenburg

2001
Gesamtgestaltung der Katholischen Kirche St. Josef, Schwäbisch Hall

ab 1986

Kunsterzieherin am Gymnasium in Stuttgart und Arbeit als freischaffende Künstlerin

1982 – 1984

Studium der Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart

1978 – 1984

Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei den Professoren M. Baumgartl, S. Michou, R. Haegele

1959
geboren in Schwäbisch Gmünd

Zu sehen ist die Künstlerin
Bildnachweis: Regina Baumhauer

2022
Partizipatives Skulptur Projekt Harbour of Hope, Hoffnungshaus, Schwäbisch Gmünd

2016
Ausstellung Little Miss Liberty Crossing the Delaware, Deutsches Haus at NYU (New York University), New York, und Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

ab 1993

Arbeit als freischaffende Künstlerin in New York

1992/93

Beginn an der Serie Open Letter, die alle seither entstandenen Arbeiten auf Leinwand umfasst

1991-1993

Gestaltung des Hohenheimer Kreuzwegs, Stuttgart

1988 – 1990

Aufbaustudium, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart bei Professor P. U. Dreyer

1986 – 1987

Studium an der Boston University, MA Art Department

1982 – 1986

Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei den Professoren M. Baumgartl, H. Bachmayer, R. Haegele

1962
geboren in Schwäbisch Gmünd

Die Künstlerischen Kapitel der Familie Baumhauer

Die Künstlerfamilie Baumhauer steht exemplarisch für diesen besonderen „Geist“, denn künstlerische Begabung und kreatives Können wurde über Generationen weitergegeben. Alle Mitglieder der Familie stammen aus Schwäbisch Gmünd, haben ihre Ausbildung sowohl hier als auch in Stuttgart absolviert und dann auch einen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Schwäbisch Gmünd gefunden.

Stadtraum und Landschaft, Traditionen und Bräuche, Menschen und Zeitgeschehen werden in den Werken aller Baumhauers dokumentiert.

Alois Baumhauer entwirft Vignetten, Logos, Plakate und Kostüme für Firmen und Veranstaltungen, zeichnet und malt seine Heimat und seine Kriegserlebnisse. Sepp Baumhauer gibt dem Gmünder Wappentier Einhorn eine neue Form und gestaltet mit seinen ausdrucksstarken Skulpturen sowohl kirchliche als auch öffentliche Räume. Monika und Regina Baumhauer interpretieren malerisch die Gmünder Landschaft, widmen sich aber auch gesellschaftspolitischen, zeitgeschichtlichen und religiösen Themen in Zeichnung und Skulptur.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Sepp Baumhauer von 1950 bis 1954 an der Kunstakademie Stuttgart bei Willi Baumeister und Manfred Henninger in der Fachklasse für Malerei. Prägend für Baumhauers Entwicklung waren Henningers Figurenkompositionen, die abstrahierende Ansätze zeigen, aber das naturalistisch Abbildhafte nicht hinter sich 
lassen, wie Hennigers Radierung Ohne Titel von 1967 zeigt. In der Malerei und vorbereitenden Zeichnung erkundete Baumhauer die Plastizität der Figur, nach der er seine Metallplastiken schuf, die sein hauptsächliches Schaffen als Bildhauer ausmachen.

Die Bronzegruppe der Wächter von 1998, mit einer Vorzeichnungen ausgestellt, führt exemplarisch vor Augen, dass das Humane, der Mensch und die Auseinandersetzung mit der Gestaltung des menschlichen Körpers von Anfang an bis zuletzt das große Thema war, an dem sich sein Schaffen entzündete. Den Sinn für die Metallplastik ebenso wie für religiöse Themen gab der Vater an seine beiden Töchter weiter, wie Monikas eindrucksvolle Madonna auf der Mondsichel und Reginas Kreuzweg-Bronze veranschaulichen. 

Die Leben von drei Generationen Baumhauer umspannen das gesamte 20. Jahrhundert und darüber hinaus. Auch ihre Kunst wurde von den Verwerfungen dieser Zeit beeinflusst. So hielt Alois Baumhauer im Ersten Weltkrieg den Frontalltag in zahlreichen Skizzen fest, insbesondere die ereignislosen Momente des Ausharrens während des Stellungskriegs bei Verdun. Seine idyllischen Ansichten der französischen Kleinstadt Thiaucourt lassen den Wunsch nach friedlicheren Zeiten erahnen. 

Nach ihrem Studium lebte Regina Baumhauer mehrere Jahrzehnte in New York. Dort begann sie die Serie Open Letters – im buchstäblichen Sinne, da sie als Untergrund zunächst aufgefaltete Briefumschläge verwendete, aber auch im übertragenen, mit Werken, die sich zu gesellschaftspolitischen Themen wie offene Briefe an die Betrachtenden wenden. Jo Stotz und Paula Straus – frühe Absolventinnen der Gmünder Fachhochschule; die Jüdin Straus wurde 1943 in Ausschwitz ermordet – spielen dabei ebenso eine Rolle wie allgemein zwischenmenschliche Vernetzungen.

In seiner druckgrafischen Folge zu Odysseus setzt sich Sepp Baumhauer mit Szenen der griechischen Mythologie auseinander, beispielsweise dem Parisurteil. Hauptaugenmerk bei den Radierungen ist jedoch die Beschäftigung mit Körpern im Raum und der Versuch, mit Schraffur, Punktierung oder der bloßen Linie ein Höchstmaß an Plastizität zu erreichen. Sein Vater widmete sich in farbenfrohen und fantasievollen Entwürfen einem lokalen Mythos: dem Geiger zu Gmünd. Die Verwurzelung der Legende in der Gold- und Silberstadt spiegelt sich in Kostümen wie dem für den Goldschmiedemeister wider.

In den Arbeiten der Künstlerin Monika Baumhauer bekommt das Spiel mit Rolle und Verkleidung eine soziale Dimension. Ihre Dame mit Federbüschel scheint auf einer Bühne zu stehen, im Rampenlicht und gleichzeitig eingeengt. Auf den Lippen liegt kein Lächeln, fast wirkt das Gesicht wie eine Maske. Der Wunsch, sich aus gesellschaftlichen Zwängen zu befreien, spricht auch aus Regina Baumhauers verschlüsselten Darstellungen ihres Alter Egos Miss Liberty.

Tiere sind im Werk von Sepp, Monika und Regina Baumhauer sowohl als Skulptur als auch in der Malerei und der Zeichnung vertreten.

Sepp Baumhauers in unterschiedlichen Formaten gestaltete Bronzetiere zeigen neben einer starken Körperlichkeit auch eine gewisse Unvollkommenheit und Verletzlichkeit.

Monika Baumhauer malt Tiere mit großer farblicher Intensität und Ausdruckstärke, die selbstbewusst dem Betrachter gegenübertreten.

Regina Baumhauer gestaltet Zeichnungen mit Tierfiguren und Spielzeug, dem sie symbolhafte Deutungen und zeitgeschichtliche Bezüge zuordnet.

Das Gesamtwerk der vier Künstlerpersönlichkeiten der Familie Baumhauer repräsentiert mehr als ein Changieren zwischen Abstraktion und Naturalismus, stets sind Potentiale und Entwicklungen zu beobachten, die eine Lust am Spiel mit unterschiedlichen Medien, Gattungen und Themen erkennen lassen.

Das formale Spektrum ist weit: Es spannt sich von den aufgebrochenen Oberflächen weiblicher Akte, die den Blick ins Innere freizulegen scheinen (Sepp Baumhauer) über eine realitätsnahe Darstellung individueller Persönlichkeit in der Porträtmalerei und Zeichnung (Alois und Monika Baumhauer) bis zu vielfältigen Varianten der Open-Letter-Form bei Regina Baumhauer, die sie in unterschiedlichen Formaten und unter Verwendung textiler Elemente mit ihren vielfältigen Anspielungen auflädt.

Zu sehen ist eine Abbildung eines Gebäudes
Bildnachweis: Museum im Prediger
Zu sehen sind Glasscheiben mit eingeritzter Kunst und andere Gemälde an der Wand des Museums
Bildnachweis: Regina Baumhauer/ Museum im Prediger
Zu sehen ist eine Wand im Museum, mit verschiedenen leicht ähnlichen Zeichnungen nebeneinander gehängt
Bildunterschrift: Stadtarchiv, Schwäbisch Gmünd
Zu sehen sind verschiedene eingerahmte Zeichnungen
Bildnachweis: Stadtarchiv, Schwäbisch Gmünd
Zu sehen ist ein türkis roter Kostümentwurf
Bildnachweis: Stadtarchiv, Schwäbisch Gmünd
Zu sehen sind verschiedene Skulpturen auf weißen Sockeln
Bildnachweis: Monika Baumhauer
Zu sehen sind Skulpturen und Gemälde
Bildnachweis: Monika Baumhauer
Zu sehen sind Skulpturen und Bilder
Bildnachweis: Monika Baumhauer
Zu sehen sind verschiedene Bilder an einer Ausstellungswand
Bildnachweis: Die Künstlerinnen Monika und Regina Baumhauer
Zu sehen sind 9 verschiedene Werke an einer Ausstellungswand
Bildnachweis: Regina Baumhauer

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