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Titelmotiv Nadja Schöllhammer: Grand Guignol, 2018
Titelmotiv Nadja Schöllhammer: Grand Guignol, 2018
Foto: Eric Tschernow

22. Kunstpreis der VR-Bank - Nadja Schöllhammer. Ghosts at Work vom 17. bis 29. November

Portrait von Ute Meinke

Geschrieben von:
Ute Meinke

Ausgehend von der Zeichnung expandieren Nadja Schöllhammers Arbeiten ins Dreidimensionale. An fragilen Materialien wie Papier untersucht sie Grenzzustände und Vergänglichkeit. Mit Klebstoff, Feuer und Skalpell legt sie filigrane Strukturen frei. Es entstehen wesenhafte Bildkörper, die in ihrer Existenz vielschichtig und brüchig sind – Welterfindungen mit fließenden Übergängen zwischen Mensch, Tier und Pflanze.

Für die Ausstellung in der Galerie im Prediger in Schwäbisch Gmünd hat die diesjährige Preisträgerin des mit 5.000 Euro dotierten Kunstpreises der VR-Bank Ostalb eG, eine neue, raumgreifende Installation entwickelt. Den bestehenden Galerieraum nimmt die Künstlerin dabei sehr genau wahr und reagiert in ihrer Arbeit auf ihn. So bezieht Schöllhammer sowohl die Säulen als auch den Kubus aus Einbauwänden der vorangegangenen Ausstellung mit ein. Den Raum im Raum macht sie zum Zentrum ihrer Installation, zu einer Art Bühne, auf der die höchste Konzentration an Material vorherrscht. Die dunkle Schüttarbeit an der Wand wirkt wie der Kern einer Explosion, von der aus sich die Werkelemente der Künstlerin im Raum ausbreiten.

Das Gesamtgefüge des Raums ist geprägt von Linien und Schwüngen, die sich nicht auf einzelne Bereiche beschränken, sondern sich über den Boden und die Wände hinweg ergießen. Streifen aus Papier – klassischerweise Trägermaterial für Zeichnungen – werden selbst zum gewundenen Strich. Das Vokabular, das die Künstlerin zur Beschreibung ihrer Komposition verwendet, ist der Musik entlehnt: da gibt es z. B. leise und laute Elemente oder eine Abfolge, die einen Rhythmus ergibt. Farben tauchen an anderer Stelle als Echo wieder auf, eine Harmonie entsteht oder zumindest ein fein austariertes Gleichgewicht. Insbesondere das Rot ist dabei ein immer wiederkehrendes Merkmal von Schöllhammers Arbeiten.

Dazwischen bilden sich Pfade, die wir als Besucherinnen und Besucher vorsichtig beschreiten können, um in den Kosmos der Künstlerin einzutreten und uns einzelnen Bestandteilen aus immer wieder neuen Perspektiven zu nähern. Im ganzen Raum begegnen uns fremdartige Wesen auf langen Stelzenbeinen, die wie in einer Prozession gruppenweise durch den Raum wandern. Einige von ihnen sind mit Materialansammlungen bestückt, in denen Überreste aus Schöllhammers Atelier zu entdecken sind. Zunächst mit Farbe überschüttet und verknetet, kommt irgendwann der Moment, in dem die Künstlerin im Ungeordneten eine Struktur entdeckt und die Materie aktiv weiter formt. Wie vieles in ihren Werken bewegen sich diese Gebinde in einem Spannungsfeld zwischen Zufall und Kontrolle, zwischen Geste und bewusstem Erforschen. Etwas Unbewusstes, Geisterhaftes darf Teil des Prozesses werden.

Aus anderen der „Wesen“ ragen mit Klebstoff gezeichnete Gespinste und Figurationen hervor, wie sie an weiteren Stellen auch den Boden und die Wände der Galerie besiedeln. Während bei ein paar dieser Cut-outs Zeichnungen der Künstlerin aus der Zweidimensionalität heraustreten und sich um die Stäbe winden, scheinen bei anderen Fragmente von Gesichtern aus Jugend- und Beautyzeitschriften hervor. Den darin abgebildeten Schönheitsidealen begegnet die Künstlerin mit einem gewissen Unbehagen, das sich durch die bei Ihrer Bearbeitung entstehenden Grimassen, Fratzen und Masken auf die Betrachter:innen überträgt. Sowohl die filigranen Objekte selbst als auch ihre Schatten, die sie an die Wand werfen, changieren zwischen figürlich und abstrakt. Die Assoziationen, die sie unseren Köpfen hervorrufen, spiegeln die Arbeitsweise der Künstlerin wider, die das Zeichnen als „Denken mit der Hand” und ihre installative Arbeit als „Zeichnung im Raum“ betrachtet.

Zur Künstlerin
Die 1971 in Esslingen am Neckar geborene Künstlerin Nadja Schöllhammer zeigt ihre vielfach ausgezeichneten Werke regelmäßig an internationalen Orten. Im Kontakt mit neuen Umgebungen entwickelt sie ihren Ansatz stetig weiter. So erkundete sie bei Residencies in Kolumbien, Mexiko und Japan Spuren eines kollektiven Bildgedächtnisses und setzte sich im Rahmen von Arbeitsstipendien mit ihren süddeutschen Wurzeln auseinander. Ihre Arbeiten sind Teil institutioneller Sammlungen, etwa der Staatsgalerie Stuttgart, der China Academy of Arts in Hangzhou/China, des Europäischen Patentamts München sowie des Regierungspräsidiums Baden-Württemberg. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Hannover, wo sie seit 2024 als Professorin für Zeichnung an der Hochschule Hannover lehrt. 

Kunstpreis der VR-Bank Ostalb eG
Informationen zum Kunstpreis
Seit seiner Gründung im Jahr 2005 hat sich der „Kunstpreis der VR-Bank Ostalb eG“ zu einem festen Bestandteil der Kunstszene in unserer Region entwickelt. Inspiriert vom international renommierten „blueOrange-Kunstpreis“ der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken setzt die VR-Bank Ostalb eG ein starkes Zeichen für die Kreativität und Vielfalt in Südwestdeutschland.

Der mit 5.000 Euro dotierte Kunstpreis würdigt Künstler, die sich innerhalb der Kunstszene hervorheben. Die Preisverleihung wird mit einer Ausstellung der Werke des Kunstpreisträgers in Galerieräumen der Region gefeiert. Dieser Preis soll dazu anregen, Neues zu schaffen, Strahlkraft über die Region hinaus zu entfalten und die regionale Kunstszene zu bereichern. Die VR-Bank Ostalb eG setzt sich aktiv für die Förderung von Kunst und Kultur ein, um das Bewusstsein für diese wichtigen Bereiche zu stärken. In den vergangenen Jahren haben die Kunstpreis-Ausstellungen eine Vielzahl herausragender Werke von Künstlern verschiedener Disziplinen präsentiert – von Malern über Objektkünstler bis hin zu Bildhauern. Durch zusätzliche Ankäufe sind Werke der Kunstpreisträgerinnen und Kunstpreisträger darüber hinaus Teil der hochkarätigen Kunstsammlung der VR-Bank Ostalb eG geworden
 
Jury des diesjährigen Kunstpreises
Christian Baron, Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd
Martin Dammann, VR-Bank Ostalb Kunstpreisträger 2025
Dr. Stefanie Dathe, Direktorin des Ulmer Museums
Dr. Sabine Heilig, Leiterin Museum Villa Rot, Burgrieden-Rot
Dr. Roland Schurig, Kulturamtsleiter der Stadt Aalen (zum Zeitpunkt der Jurysitzung)
Linnea Streit, Kuratorin im Museum und der Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Hannes Täuber, Geschäftsführer der Stiftung Schloss Fachsenfeld
 
Bisherige Kunstpreisträgerinnen und Kunstpreisträger
2025 Maler, Foto- und Videokünstler Martin Dammann Galerie im Rathaus Aalen
2024 Bildhauer und Installationskünstler Albrecht Schäfer Schloss Fachsenfeld
2023 Maler und Bildhauer Willi Siber Galerie im Prediger
2022 Künstlerin Anna Ingerfurth Galerie im Rathaus Aalen
2021 Maler und Grafiker Wolfgang Neumann Schloss Fachsenfeld
2020 Maler Jan-Hendrik Pelz Galerie im Prediger
2019 Malerin Professorin Cordula Güdemann († 2024) Galerie im Rathaus Aalen
2018 Malerin und Zeichnerin Ena Lindenbaur Schloss Fachsenfeld
2017 Radierer Helmut Anton Zirkelbach Galerie im Rathaus Aalen
2016 Landart- und Installationskünstler Johannes Pfeiffer Schloss Fachsenfeld
2015 Zeichner Peter Riek Galerie im Rathaus Aalen
2014 Künstlerin Irmela Maier Schloss Fachsenfeld
2013 Maler Peter Holl Galerie im Rathaus Aalen
2012 Maler Uwe Lindau Schloss Fachsenfeld
2011 Zeichnerin Dorothea Schulz Galerie im Rathaus Aalen
2010 Landschaftsmaler Daniel Sigloch SüdWestGalerie
2009 Objektkünstler Professor Heinrich Weid Schloss Fachsenfeld
2008 Maler Professor Johannes Hüppi Schloss Fachsenfeld
2007 Bildhauer Stephan Kern Galerie im Rathaus Aalen
2006 Zeichnerin Romane Holderried († 2007) Schloss Fachsenfeld
2005 Bildhauer Professor Werner Pokorny († 2022) SüdWestGalerie,
Schloss Fachsenfeld 

Veranstaltungen in der Ausstellung
Preisverleihung & Eröffnung
Freitag, 16.10., 18:30 Uhr
Finissage & Künstleringespräch
Sonntag, 29. November, 17 Uhr

Sonntagsführung
Sonntag, 22. November, 15 Uhr, mit Ulrike Richards

After Work Führungen
Donnerstag, 22. Oktober, 18 Uhr, mit Kuratorin Linnea Streit
Donnerstag, 29. Oktober, 18 Uhr, mit Ulrike Richards
Donnerstag, 12. November, 18 Uhr, mit Kuratorin Linnea Streit
Donnerstag, 26. November, 18 Uhr, mit Kuratorin Linnea Streit

Gruppenführungen
100 Euro zzgl. Eintritt
Schulklassen: 25 Euro zzgl. Materialkosten bei Workshops

Anmeldung und Beratung
Tel. 07171 603-4130, museum@schwaebisch-gmuend.de
 
Eintrittspreise
Erwachsene: 5 Euro / ermäßigt: 3 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Museumsvereins: Eintritt frei
 
Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch, Freitag 14–17 Uhr
Donnerstag 14–19 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 11–17 Uhr 

Adresse / Weitere Informationen
Museum und Galerie im Prediger
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: 07171 603-4130, Internet: www.museum-galerie-fabrik.de
Kontakt: Linnea Streit, linnea.streit@schwaebisch-gmuend.de

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