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Zu sehen sind Besucherinnen und Besucher an den Infoständen.
Bildnachweis: Elke Heer, Stadt GD

Pflege betrifft uns alle: Forum beleuchtete die Zukunft der Pflege

Zu sehen ist Leonie Maier

Geschrieben von:
Leonie Maier

Rund 40 Besucherinnen und Besucher kamen anlässlich des Tages der Pflege in der Gmünder VHS zur Veranstaltung „Unsere Pflege ist eure Arbeit“ zusammen, um die vielfältigen Facetten des Themas Pflege und Betreuung zu diskutieren.

Bereits zu Beginn wurde deutlich: Pflege betrifft uns alle, ist facettenreich und muss aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.

Hintergrund und Herausforderungen
Die steigende Zahl von pflegebedürftigen Personen steht einer sinkenden Zahl von Fachkräften gegenüber; bei der Gewinnung von Fach- und Betreuungskräften sind neben der Anerkennung von Qualifikationen eine Willkommenskultur und die Begleitung der Menschen elementar. Die häusliche Pflege durch Angehörige ist eine der zentralen Säulen des Versorgungssystems und betrifft Aspekte des Arbeitsmarkts sowie die Lebenssituation der pflegenden Angehörigen, meist Frauen. Ein Blick nach Europa zeigt: Faire Löhne, verlässliche Standards, Digitalisierung und eine europäisch abgestimmte Anerkennung von Qualifikationen sind notwendig.

Europäischer Vergleich und Perspektiven
In einem ersten Impuls zu Beginn der Veranstaltung zeigte Inkeri Klomsdorf, Führungskraft und politisch Engagierte, die verschiedenen Systeme in europäischen Nachbarländern auf und beleuchtete unterschiedliche Finanzierungs- und Versorgungssysteme. „Pflege ist ein Grundrecht, kein Luxus“, betonte sie. Besonders die skandinavischen Länder setzen auf steuerfinanzierte, gut zugängliche und professionell organisierte Pflege, führte Klomsdorf aus. Die Fachkräfte verdienten dabei um ein Vielfaches mehr. Klomsdorfs Botschaft: Menschlichkeit und Verlässlichkeit müssten Bestandteil des Systems sein und Pflege dürfe nicht als reiner Kostenfaktor betrachtet werden. Der Vortrag machte deutlich: Deutschlands Pflege muss für inländische und ausländische Fachkräfte attraktiv sein. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland kann der steigende Bedarf nicht gedeckt werden. Dabei kann Deutschland von den skandinavischen Ländern lernen; es braucht faire Löhne, die gezielte Entlastung durch Digitalisierung und Förderinstrumente, eine größere gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufes und verlässliche Rahmenbedingungen.

Bedeutung pflegender Angehöriger
Dr. Veronika Anselmann, Professorin für Pflegewissenschaft mit dem Schwerpunkt Pflegepädagogik an der PH Schwäbisch Gmünd betonte in ihrem Vortrag die zentrale Rolle pflegender Angehöriger im Gesamtsystem Pflege. Häufig beginne Pflege schleichend und sei mit einer hohen Verantwortungslast verbunden. Die Belastungen der pflegenden Angehörigen reichen dabei von zeitlicher und emotionaler Beanspruchung über finanzielle Einbußen bis hin zu beruflichen Einschränkungen. Ihre zentrale Botschaft: „Das Versorgungssystem trägt nur, wenn es den Pflegenden selbst gut geht“. Niedrigschwellige Beratung, Schulungsmöglichkeiten, soziale Unterstützung sowie Selbsthilfeangeboten könnten laut Anselmann Abhilfe schaffen. Arbeitgebende mit pflegesensibler Unternehmenskultur verhinderten größere Ausfälle der Erwerbstätigkeit von Pflegenden

Markt der Möglichkeiten zeigt die vielfältigen Facetten
Im sich anschließenden Markt der Möglichkeiten wurden in einem durch Elke Heer, Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Schwäbisch Gmünd und Anne Nitschke, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis moderierten Gespräch vielfältige regionale und überregionale Initiativen, Angebote und Projekte vorgestellt.

Bildung und Ausbildung, Qualifizierung und berufliche Perspektiven in der Pflege, Beratung pflegender Angehöriger, Beratung und Begleitung sowie Vermittlung und Gewinnung von Fach- und Betreuungskräften aus dem In- und Ausland, die Begleitung der Menschen im Pflegesystem sowie Integration und Willkommenskultur waren zentrale Aspekte.

Im Rundgang kamen Besucherinnen und Besucher direkt mit Expertinnen und Experten vor Ort ins Gespräch:

  • Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg e.V., Projekt Care for Future
  • Kab – katholische Arbeitnehmerbewegung
  • Pflegestützpunkt Ostalbkreis
  • Pflegekampagne Ostalbkreis
  • Ostalbkreisbündnis
  • Mentoringprojekt StaF des Entwicklungswerks für soziale Bildung und Innovation Landesverband Baden-Württemberg e.V.
  • Agentur für Arbeit: Berufsberatung im Erwerbsleben
  • Vermittlungsdienst FairCare – eine Aktion des Diakonischen Werks Württemberg und des Vereins für Internationale Jugendarbeit Stuttgart
  • PROMEDICA PLUS Aalen-Nördlingen
  • St. Loreto gGmbH

Zentrale Botschaften des Forums
Pflege ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe und unverzichtbar für die Daseinsvorsorge. Eine verlässliche Struktur, gesellschaftliche Anerkennung und faire Bezahlung bilden die Grundpfeiler eines zukunftsfesten Pflegesystems. Pflegerische Tätigkeiten sind sinnstiftend, jedoch müssen belastende Rahmenbedingungen reduziert werden, um Kräfte dauerhaft zu halten. Pflegende Angehörige sind das tragende Rückgrat der Versorgung. Sie brauchen einfache Zugänge zu Beratung, Entlastung und Qualifizierung. Dabei ist Pflege weiblich: Frauen tragen den Großteil der sichtbaren und unsichtbaren Arbeit in der Pflege, die mehr als bloße gesellschaftliche Anerkennung braucht. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wären Pflege und Betreuung nicht stemmbar; dafür braucht es eine Willkommenskultur sowie nachhaltig angelegte Maßnahmen zur Integration, Beratung und Begleitung. Europäisch betrachtet sind transparente Standards, vereinfachte Anerkennungsverfahren und digitale Entlastung notwendige Eckpfeiler.

Ausstellung „Pflege ist bunt“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Ausstellung „Pflege ist bunt“ des Ostalbkreisbündnisses und der Pflegekampagne des Ostalbkreises gezeigt, die noch bis zum… in der Gmünder VHS zu sehen ist.

Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von der Beauftragten für Chancengleichheit der Stadt Schwäbisch Gmünd, der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis und der Gmünder VHS mit Unterstützung der Abteilung Senioren der Stadt Schwäbisch Gmünd und des EUROPoints Ostalb.

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