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Zu sehen sind Feuerwehrleute, die einen Verletzten in der Höhe retten.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD

Rettungsübung am Weilermer Glockenturm

Zu sehen ist Leonie Maier

Geschrieben von:
Leonie Maier

Eine spektakuläre Einsatzübung der Feuerwehr lockte am Donnerstagabend zahlreiche Schaulustige auf den Friedhof rund um die eingerüstete St.-Michaels-Kirche in Weiler in den Bergen. Die markant an höchster Stelle des Dorfes gelegene Kirche bot dabei eine weithin sichtbare Bühne für das Übungsgeschehen und zog bereits aus der Ferne die Aufmerksamkeit vieler Bürgerinnen und Bürger auf sich. Bei bestem sonnigem Maiwetter probten die Einsatzkräfte eine komplexe Rettungs- und Brandschutzlage am Glockenturm der Kirche. Das beeindruckende Bergpanorama mit Blick vom Bargauer Horn über den Bernhardus bis hin zum Hornberg und Kalten Feld bildete dabei die außergewöhnliche Kulisse für ein ebenso außergewöhnliches Übungsszenario.

Ausgangspunkt der Übung war ein realistisches Szenario rund um die laufenden Sanierungsarbeiten am Glockenturm. Der Turm wird derzeit durch die Seelsorgeeinheit Unterm Bernhardus aufwendig saniert und ist deshalb vollständig eingerüstet. Genau diese besondere Situation machte die Kirche zu einem idealen Übungsobjekt. Ortsvorsteher Christian Krieg initiierte daher gemeinsam mit Pfarrer Daniel Psenner und Architekt Thomas Biehlmaier die Übung. Die Gesamtleitung übernahm Patrick Maier, unterstützt von einer Organisationsgruppe der Feuerwehr sowie dem örtlichen DRK unter der Leitung von Lorenz Trommer.

Alarmierung und erste Lageerkundung
Um 17.30 Uhr ging der Alarm ein. Eine Passantin, dargestellt von Katharina Feifel aus dem Bezirksamt Weiler in den Bergen, nahm eine starke Rauchentwicklung sowie Hilferufe wahr und alarmierte umgehend über den Notruf 112 die Leitstelle.

Bereits sechs Minuten später erreichte das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr Weiler in den Bergen mit sechs Einsatzkräften den Kirchturm. Weitere Feuerwehrangehörige trafen kurze Zeit später fußläufig vom nahegelegenen Feuerwehrhaus ein. Gruppenführer Klaus Kuhn begann sofort mit der Erkundung der Lage.

Schon beim Eintreffen bot sich den Einsatzkräften ein dramatisches Bild: Der Materialaufzug war auf halber Höhe stehen geblieben, die elektronische Steuerung hatte Feuer gefangen und dichter Rauch zog entlang des eingerüsteten Glockenturms nach oben. Mehrere Bauarbeiter befanden sich in akuter Notlage.

So hatte sich ERHT-Gruppenleiter Patrick Maier, verkleidet als Bauarbeiter, bei seiner Flucht vor dem Rauch an der Spitze des Materialaufzugs mit schweren Arbeitsstiefeln, Baumaterial und Seilen eingeklemmt und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Bundeswehr-Reservist Andreas Lorke war in Panik geraten, gestürzt und unter herabfallenden Holzbalken eingeklemmt worden. Durch seine hektischen Bewegungen riss er zusätzlich mehrere Teile des Gerüsts in die Tiefe und erschwerte damit die Arbeit der Einsatzkräfte am Boden.
Mit einer Pfählungsverletzung am Fuß verharrte Reservist Thomas Maier unter großem Blutverlust auf dem Gerüst und hoffte auf schnelle Hilfe. Eine schwere, menschengroße Puppe lag bereits bewusstlos im Gerüst – offenbar infolge einer schweren Rauchgasvergiftung. Darüber hinaus befand  sich Lena Weiler vom DRK Degenfeld kreidebleich und unter Schock auf dem Gerüst.

Brandbekämpfung und Menschenrettung
Im ersten Schritt wurde durch die Feuerwehr ein Hydrant in Betrieb genommen und parallel die Wasserversorgung über das Löschfahrzeug aufgebaut. Nur wenige Augenblicke später stiegen bereits die ersten Atemschutzgeräteträger den Kirchturm empor. Der Brand im Bereich des Materialaufzugs konnte rasch unter Kontrolle gebracht werden.
Die eigentliche Herausforderung wartete jedoch in luftiger Höhe. Die Atemschutzgeräteträger machten sich über die Gerüsttreppen auf den Weg zu den verletzten Arbeitern und begannen umgehend mit deren Betreuung. Besonders anspruchsvoll gestaltete sich dabei die Rettung des verletzten Arbeiters an der Spitze des Materialaufzugs. Dieser machte verzweifelt mit dramatischen Hilferufen auf sich aufmerksam. Gruppenführer Klaus Kuhn forderte daher die ERHT-Gruppe nach.

ERHT-Gruppe beginnt mit der Rettung aus der Höhe
14 Kräfte der Feuerwehrabteilung Weiler in den Bergen bilden diese ERHT-Gruppe innerhalb der Gmünder Gesamtfeuerwehr. ERHT steht im Feuerwehrwesen für „Einfaches Retten aus Höhen und Tiefen“. Dabei handelt es sich um eine spezialisierte Ausbildung und Einsatztaktik für Rettungen aus absturzgefährdeten Bereichen oder Schächten bis etwa 30 Meter Höhe oder Tiefe. Zum Einsatz kommen standardisierte Rettungstechniken mit knotenlosen Abseil- und Rettungsgeräten, Schleifkorbtragen und Flaschenzügen.

„Die Mitglieder dieser Gruppe sind speziell für Rettungseinsätze aus Höhen und Tiefen sowie Einsätze mit Absturzgefahr ausgebildet“, erklärte Ingo Hillenbrand, Feuerwehrkommandant aus Weiler in den Bergen den Zuschauern am Boden.

Die Höhenretter sondierten zunächst die Lage und arbeiteten sich anschließend in schwindelerregender Höhe zu den Verletzten vor. Trotz enger Platzverhältnisse und der verwinkelten Gerüstkonstruktion gelang es den Einsatzkräften, alle Verletzten schnell zu lokalisieren.

Der bewusstlose Arbeiter wurde direkt im sogennannten Rautek-Griff über den engen Gerüstabstieg nach unten transportiert. Die schockierte Frau wurde auf dem Gerüst aufgefunden, aus dem Gefahrenbereich begleitet und anschließend vom DRK übernommen.

Mit Sägen wurde der eingeklemmte Arbeiter von den herabgefallenen Holzbalken befreit, mittels Tragetuch vom Gerüst gerettet und ebenfalls dem DRK übergeben.

Parallel bereiteten die Höhenretter mit zahlreichen Seilen und Winden die technisch anspruchsvolle Rettung des eingeklemmten Arbeiters an der Spitze des Materialaufzugs vor.

Nachdem die Eigensicherung angelegt und vom ERHT-Einsatzleiter überprüft worden war, wagte sich Nico Waibel gut gesichert ausschließlich auf einem schmalen Steg hinauf an die Spitze des Materialaufzugs. Bereits beim Eintreffen umklammerte der panische Arbeiter den Retter mit festem Griff. Darüber hinaus zog er an den mitgebrachten Seilen und versuchte mehrfach, Karabiner zu öffnen, was seine Sicherung zusätzlich erschwerte.

Mit ruhigen und routinierten Worten gelang es den ERHT Einsatzkräften schließlich, den Verletzten zu beruhigen. Die Befreiung des eingeklemmten Fußes stellte eine weitere Herausforderung dar. Wie sich herausstellte, gelang dies nur mithilfe eines Messers sowie durch das Durchtrennen von Seilen und Stoffen.

Gut gesichert konnte die ERHT-Gruppe den Verletzten schließlich unter panischem Geschrei von der Spitze des Materialaufzugs bis zu den bereits wartenden DRK-Helfern am Boden abseilen.

Behutsam versorgten die Einsatzkräfte die Pfählungsverletzung und lösten die bestehende Verbindung zum Gerüst. Mit der Eisenstange noch im Schuh war an einen eigenständigen Abstieg des Verletzten nicht zu denken. Thomas Maier wurde daher sicher in einer Schleifkorbtrage gelagert und durch die ERHT-Gruppe vom Glockenturm abgeseilt.

Reibungslose Zusammenarbeit aller Organisationen
Die Zusammenarbeit zwischen Brandbekämpfung, technischer Rettung, klassischer Menschenrettung, ERHT-Gruppe, DRK und Reservistenkameradschaft Schwäbisch Gmünd funktionierte während der gesamten Übung reibungslos. Übergaben der Patienten, Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie die Einrichtung eines Behandlungsplatzes liefen Hand in Hand.

Unter den zahlreichen Zuschauern befanden sich neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch Gerd Hägele, Leiter des Gmünder Rechts- und Ordnungsamts, Max Schamberger als stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd sowie Ortsvorsteher Christian Krieg. Dieser ließ es sich nicht nehmen, selbst auf das Gerüst zu steigen und sich vor Ort ein Bild vom Einsatzgeschehen zu machen. Der Ortsvorsteher zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Einsatzkräfte: „Ich selbst habe zwar kein unmittelbares Problem mit großen Höhen, habe aber gerne einen sicheren Stand unter den Füßen. Daher zolle ich unseren Kameraden größten Respekt.“

Am Ende der erfolgreichen Übung bedankten sich die Verantwortlichen bei allen Beteiligten. Ein besonderer Dank galt Pfarrer Daniel Psenner, Architekt Thomas Biehlmaier, der Gerüstbaufirma Hubert Fritz sowie der Seelsorgeeinheit Unterm Bernhardus dafür, dass der Glockenturm für die Übung genutzt werden durfte.

Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll regelmäßiges Training unter realistischen Bedingungen ist. Die Feuerwehr Weiler in den Bergen bewies dabei einmal mehr, dass sie auch unter extremen Bedingungen schnell, sicher und professionell arbeitet.

Zu sehen ist ein Feuerwehrauto und Feuerwehrleute
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen ist ein nachgebildeter Unfall mit einem Menschen der von Holzlatten zugeschüttet wurden und Feuerwehrkameraden die in versuchen zu befreien.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen ist ein gespielter Verletzter an einem Materialaufzug der von einem Feuerwehrmann beruhigt wird.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen sind Feuerwehrleute an einem Gerüst, die einen Verletzten mit einer Art Trage herunter transportieren.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen sind mehrere Feuerwehrleute die einen Verletzten an einer Metallstange sichern und versuchen runterzuholen.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen sind Feuerwehrleute an einem Gerüst, die einen Verletzten mit einer Art Trage herunter transportieren.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD
Zu sehen sind die Beteiligten Feuerwehrkameraden bei einer Besprechung nach der Übung.
Bildnachweis: Christian Krieg, Stadt GD

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